Maurisches Erbe

711 wurde (wahrscheinlich) südlich der Stadt Arcos de la Frontera (eine der Pueblos Blancos, unser Artikel hierzu) ein Heer der Westgoten von einfallenden Mauren geschlagen. Dieser Zeitpunkt gilt als Beginn der arabischen Besiedlung der iberischen Halbinsel. Deren Eroberungen erstreckten sich schließlich bis knapp über die Pyrenäen. Erst der Namensgeber der Dynastie Karls des Großen (die Karolinger), Karl Martell, beendete den Vorstoß der maurischen Truppen in der Schlacht von Tours und Poitiers 732. Wobei jedoch angemerkt sein soll, dass die moderne Forschung diese Schlacht aus einer etwas nüchterneren Perspektive sieht als das 19. Jahrhundert. Ob nun gepanzerte Ritter gegen säbelschwingende Araber oder eher eine klassische Infanterieschlacht stattfand, sei also dahingestellt. Fakt ist, die Mauren wurden bis hinter die Pyrenäen zurückgedrängt und festigten dort ihr Reich. Zwar rückten die christlichen Königreiche in den darauffolgenden Jahrhunderten wieder stetig gen Süden und verdrängten so nach und nach wieder die Mauren. Die Reconquista fand ihren Abschluss jedoch erst 1492, als die sogenannten katholischen Könige Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón mit ihren Truppen den letzten verbliebenen Herrscher, den Nasriden „Boabdil“, Muhammad XII. in Granada besiegte. Was dann folgte, war die Vertreibung der sephardischen Juden und die Zwangstaufe der muslimischen Bevölkerung durch die spanische Inquisition.

Diese über 700 jährige muslimisch/arabische Episode hinterließ ihre Spuren und lässt sich heute noch auf vielen Gebieten in Spanien und Portugal erkennen. Über 1500 Lehnwörter sind aus dem Arabischen ins Spanische übergegangen, zahlreiche Ortsnamen klingen eher wie marokkanische, Azulejos (unser Artikel hierzu) und viele der hier typischen Kamine, insbesondere der Algarve, muten wie kleine Minaretttürmchen an.