Betongold an der Algarve

Verschandelte Strände, malerisches Hinterland. So kurz könnte unser Urteil zu Teilen der Sandalgarve ausfallen. Seit den 1960er Jahren boomt der Tourismus, was insbesondere in Albufeira oder Portimão deutlich spürbar ist. Der Campingplatz Albufeiras ist insbesondere während der Wintermonate fest in britischer Hand, Pub und gekühltes Guiness inklusive. Trotz Brexit, die Algarve verzeichnete über 700.000 Übernachtungen im Oktober 2019 aus dem Vereinigten Königreich.

Für diese Touristenmassen stehen die Bettenburgen bis zur ersten Düne am Wasser, dazwischen verstecken sich zwar noch teilweise ältere Häuser, diese werden jedoch von den moderneren Großbauten in den Schatten gestellt. Hie und da wird zwar noch ein neues Hotel gebaut, allerdings findet man auch einige Bauruinen, deren Fertigstellung wahrscheinlich nicht mehr stattfindet.

Faro wirkt auf den ersten Blick weniger problematisch, allerdings donnert über das mittelalterliche Zentrum ein Urlaubsflieger hinter dem nächsten her. Ein Wunder, dass sich die Störche kein ruhigeres Plätzchen gesucht haben. Wandert man ein wenig in Richtung heruntergekommenes Hafenviertel, steht man plötzlich vor ärmlichen Behausungen, die hauptsächlich von Sinti und Roma bewohnt werden. 2011 wurde Portugal zwar bereits ermahnt deren Situation zu verbessern, 2013 brannte trotzdem ein Teil des Slums und einige der „Häuser“ stehen immer noch.

Eine weitere Ruinenlandschaft ist aktuell auf der Halbinsel vor dem Flughafen zu sehen. Jahrelang gab es hier einen Campingplatz, der jedoch schließen musste und anschließend mehr wild als offiziell bewohnt wurde. 2015 sollte schon einmal das Areal geräumt werden, da ein großer Parkplatz auf der Halbinsel entstehen sollte. Dagegen wehrten sich die Bewohner allerdings. Anschließend gab es Pläne rund 100 Fischer hier anzusiedeln, was jedoch ebenfalls nicht klappte. Jetzt wurde das Gelände tatsächlich geräumt, der neue Plan – ein Campingplatz. Er soll wieder Camper auf die Halbinsel locken, allerdings hauptsächlich Zelte. Man darf gespannt sein, ob 2020 die ersten Touristen kommen und im Zelt, mit rund 1 Kilometer Luftlinie zur Start und Landebahn hier ihren Urlaub verbringen.