Der große Baumarktreport

Als Selbstausbauer eines Campingbusses besteht die Hauptbeschäftigung, neben dem eigentlichen Bau, im Besuch von Baumärkten. Irgendwann kennt man sich aus. Hornbach, Obi, Hagebau, Bauhaus, alle mit unterschiedlichen und doch ähnlichen Sortimenten. Neben dem Preisvergleich, sind die Recherche nach neuen Werkzeugen oder der Gang zur günstigen Holzschnittrestebox alltägliche Handlungen und Zeitvertreib. Was aber, wenn man schließlich beschließt das Projekt sei beendet, der Bus fertig und der Urlaub könne beginnen? Dem ist natürlich nicht so. Der Bus ist noch lange nicht vollendet…;)

Man überlegt ständig, welches Teil noch optimiert werden kann, wo noch etwas fehlt und dann beginnt wieder das Schreiben von neuen To-do-Listen. Hinzu kommen nicht nur die hypothetischen Pläne, welche man noch ausführen könnte, sondern auch wirklich notwendige Verbesserungen, man hat z.B. schlicht vergessen einen Griff an den Gaskasten zu montieren, weshalb er eher suboptimal aufgeht. Dann ist da auch noch der Kühlschrank. Fest sitzt er eigentlich und auch ein wildes Schleudertrauma, ausgelöst durch bergige Passstraßen, hat ihn bislang unverrückbar in seinem Kasten aus Holz gehalten. Warum ich das schreibe? Eigentlich ist er gar nicht angeschraubt, was ich aber sicherlich noch ändern werde. Irgendwann. Vielleich. Daneben gibt es auch noch die Sitzbank. Ihr Innenleben sieht ein wenig so aus, als wenn in der Planungsphase das Bauteam eine wilde Party gefeiert hätte und danach nie wieder aufgetaucht ist. Grundsätzlich kann man aber trotzdem festhalten, es funktioniert alles, darüber sind wir uns einig, allerdings bekommt man die Gewohnheiten des Baumarktbesuchens eben nicht so einfach los, weshalb man plötzlich vor diesem Gebäude zur Durchführung wildgewordener Ingenieurspläne steht: Einem französischen Baumarkt.

Bricomarché, Bricolage, Leroy Merlin oder Castorama sind die neuen, verheißungsvollen Orte mit wohlklingenden Namen und dem gewohnten Sortiment. Eisenwaren, Werkzeuge, Baustoffe. Man kennt sich sofort aus und dank moderner Übersetzungstechnik wird die Suche nach einem Gummistöpsel auch nicht zu einer peinlichen Vokabularsentgleisung.

Neben dem gewohnten Bild eines Baumarktes sind jedoch einige Besonderheiten auffällig. Die Technik zum Kaltlöten, Pressen oder Verbinden mit Schneidringen gibt es hier in größerem Ausmaß als in deutschen Baumärkten und die zahlreichen Gasflaschen und Systeme sind Ausdruck dieser in Frankreich weit verbreiteten Energieversorgung. Eine weitere, eher kleine Auffälligkeit sind Schmelzsicherungen. Was man bei uns eher in einem spezialisierten Elektronikladen vermutet, gibt es in Frankreich in fast jedem Baumarkt. Analysiert man das dort angesiedelte Warenangebot genauer, kosten zwei Messleitungen genauso viel wie das günstigste Messgerät. Ja ich gebe es zu, wir haben jetzt zwei Multimeter dabei, es gab eine kleine Diskussion diesbezüglich, aber ich habe es nicht eingesehen meine kaputte Messleitung für 13 Euro zu ersetzen, wenn ich für das gleiche Geld ein komplettes Messgerät bekomme.

Um das Sortiment von Baumärkten in Frankreich jedoch umfassend zu analysieren, muss man eigentlich auch die enorm reich ausgestatteten Supermärkte miteinbeziehen. Hier gibt es stets eine Abteilung, welche Schrauben, Hämmer und KFZ-Technik anbietet, was man nicht unbedingt im Gang neben den Gurken vermuten würde. Manche Supermarktkette in Frankreich betreibt nämlich direkt daneben noch einen Baumarkt, was wohl dieses breit aufgestellte Warenangebot erklären kann. Daneben gibt es auch immer noch eine obligatorische Tankstelle mit Waschsalon. Es ist mir in diesem Zusammenhang unerklärlich, wie die Benzinpreise sich in einem einzigen Land so krass unterscheiden können. Die Tankstellen an den besagten Super- oder Baumärkten sind stets die günstigeren und trotzdem findet man freie Tankstellen keinen Kilometer weiter, die nahezu 20 Cent teurer sind.

Auch wir sind mittlerweile gute Kunden in dieser Anlaufstelle für Gemischtwaren. Wir besitzen einen Handstaubsauger, eine selbst zusammengestellte Lichterkette, einen Minischraubstock, Lötkolben sowie einen umfunktionierten Riesen-Handtuchrollenhalter, welcher für das sichere Verstauen meiner Gitarre zuständig ist. Naja, der erste Prototyp ist zwar fertig, allerdings ist mir nach zwei Tagen gleich mal eine Saite in dieser wilden Konstruktion gerissen. Eventuell muss die Halterung noch einmal ein wenig überarbeitet werden. Hätten wir noch mehr Vorhänge zu nähen, eine passende Reisenähmaschine haben wir auch schon gesehen, aber bislang von einem Kauf Abstand genommen. Die Kiste mit den Namen „Gerödel-Allgemein“ ist schließlich schon außerordentlich gut sortiert.

Noch ein Wort zu den Öffnungszeiten französischer Baumärkte. Unserer Erfahrung nach ist es eine schlechte Idee erst um 11:30 Uhr am Vormittag aufzustehen. Dann kommt man nämlich genau um 12 Uhr am Baumarkt an, wenn die große Mittagspause bis 14 Uhr ansteht. Immerhin, die meisten haben sonntags geöffnet. Allerdings wieder nichts für Langschläfer, Ladenschluss ist dann nämlich schon um 12.